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Peppol einfach erklärt – und was es für Ihr ERP bedeutet

8. Sept.
5 Min. Lesezeit

Peppol taucht inzwischen überall auf: in Ausschreibungen, in Software-Datenblättern, in Mails von Kunden, die nach Ihrer Peppol-ID fragen. Was genau dahintersteckt, bleibt dabei meist offen – und landet im Gespräch schnell mit XRechnung und ZUGFeRD in einem Topf, obwohl das etwas anderes ist.


Dabei ist die Sache überschaubarer, als der Name vermuten lässt. Dieser Beitrag erklärt, was Peppol ist, wie eine Rechnung darüber beim Empfänger ankommt, wo die Grenze zwischen Netzwerk und Format liegt – und was daraus für ein ERP-System folgt.



Was Peppol ist – und was nicht

Peppol ist ein Netzwerk mit gemeinsamem Regelwerk, über das Unternehmen und Behörden Rechnungen direkt von System zu System austauschen.


Am nächsten kommt der Vergleich mit E-Mail: Sie schicken etwas an eine Adresse, Ihr Provider übergibt es an den Provider des Empfängers, und es kommt an – obwohl beide Seiten unterschiedliche Programme nutzen. Peppol ist genauso aufgebaut, mit drei Unterschieden: Die Teilnehmer sind in einem Verzeichnis registriert, die Zugangspunkte sind zertifiziert, und der Inhalt folgt einem festen Datenschema. Deshalb kommt kein Dokument zum Ansehen an, sondern ein Datensatz zum Verarbeiten – und der Versand ist quittiert.


Drei Missverständnisse vorweg:

  • Peppol ist kein Format. Es legt fest, wie transportiert wird, nicht wie die Rechnung aussieht – dazu unten mehr.

  • Peppol ist selbst keine Software, sondern die Autobahn, nicht das Auto. Zum Senden und Empfangen brauchen Sie eine Anbindung – über Ihr ERP oder über einen Dienstleister, teils per Schnittstelle, teils per Portal.

  • Peppol ist nicht deutsch und nicht EU-exklusiv. Rund 50 Länder machen mit, darunter Norwegen, Singapur, Australien und Japan. Getragen wird das Netzwerk von OpenPeppol, einer gemeinnützigen europäischen Organisation.



Wie eine Rechnung durch das Netzwerk läuft


Ablauf in vier Schritten: Ihr Unternehmen erstellt die Rechnung, Ihr Zugangspunkt prüft sie und schickt sie los, der Zugangspunkt des Kunden nimmt sie entgegen, der Kunde erhält die Daten in seiner Buchhaltung. Die beiden mittleren Schritte liegen innerhalb des Peppol-Netzwerks.
So kommt eine Rechnung über Peppol beim Kunden an.

Das Prinzip heißt Vier-Ecken-Modell und hat immer denselben Ablauf:

  1. Ihr System erzeugt die Rechnung – im ERP, aus Auftrag, Projekt oder Abrechnungslauf.

  2. Ihr Zugangspunkt (offiziell Access Point, oft auch Service Provider) validiert das Dokument und übergibt es ans Netzwerk.

  3. Der Zugangspunkt des Empfängers nimmt es entgegen und stellt es dessen System zu.

  4. Das Empfängersystem verarbeitet die Daten direkt weiter.


Zwei Bausteine machen das ohne bilaterale Absprachen möglich:

Die Peppol-ID ist die Adresse eines Teilnehmers im Netzwerk. Sie besteht aus einem Schema-Kennzeichen und dem eigentlichen Wert – in Deutschland typischerweise 9930: plus USt-IdNr. oder 0088: plus GLN auf Senderseite; öffentliche Auftraggeber werden über 0204: plus Leitweg-ID adressiert. Wichtig für die Datenmodellierung: Die Peppol-ID ist die Transportadresse, die Leitweg-ID dagegen ein Inhaltsfeld der Rechnung. Beide werden gebraucht, aber an verschiedenen Stellen.


Das Netzwerkverzeichnis (SML und SMP) löst auf, welcher Zugangspunkt für eine Peppol-ID zuständig ist und welche Dokumenttypen dieser Empfänger überhaupt annimmt. Ihr ERP muss also nichts über den Provider des Kunden wissen – aber es muss die Peppol-ID des Kunden führen können.


Übertragen wird über AS4, verschlüsselt und mit signierter Empfangsquittung. Das heißt: Sie bekommen einen technischen Zustellnachweis. Ob der Kunde die Rechnung fachlich akzeptiert, ist eine zweite Ebene – dafür gibt es die Invoice Response, mit der ein Empfänger Annahme, Ablehnung oder Klärungsbedarf zurückmeldet.



Peppol, EN 16931, XRechnung, ZUGFeRD – wer macht was?


Der Transportweg ist damit geklärt. Offen ist, was durch das Netzwerk läuft: Peppol stellt zu, aber es schreibt nicht vor, wie eine Rechnung inhaltlich aufgebaut ist. Dafür sorgen die Formate – eine eigene Ebene, die in Ausschreibungen und Datenblättern regelmäßig mit Peppol in einen Topf geworfen wird. Wer die vier Begriffe einmal sortiert hat, liest jede Anbieterangabe richtig:

  • EN 16931 ist die europäische Norm, die festlegt, welche Felder eine E-Rechnung enthält.

  • Peppol BIS Billing 3.0 ist die Peppol-Ausprägung dieser Norm auf Basis von UBL – der internationale Standardfall im Netzwerk.

  • XRechnung ist die deutsche Ausprägung derselben Norm, verantwortet von der KoSIT. Sie ist im Peppol-Netzwerk als Dokumenttyp zugelassen und der Regelfall bei deutschen Behörden.

  • ZUGFeRD ist ein Hybridformat: PDF/A-3 mit eingebettetem XML. Es erfüllt die Norm ebenfalls, wird aber üblicherweise per E-Mail übergeben und nicht über Peppol transportiert.


Für die ERP-Auswahl heißt das: Nicht „unterstützt E-Rechnung" ist die relevante Frage, sondern welche Ausprägungen in welchen Versionen erzeugt und gelesen werden – und ob das System gegen die jeweiligen Prüfregeln validiert, bevor etwas rausgeht.



Was sich im Prozess ändert

Gegenüberstellung. Links „Ohne Peppol": eine Rechnung verzweigt in vier Versandwege – PDF per E-Mail, Kundenportal, Papier per Post, Fax – die alle darin enden, dass jemand die Zahlen von Hand abtippt. Rechts „Mit Peppol": ein einziger Weg führt zu Kunde A, Kunde B und einer Behörde.

Statt vier Versandwegen genügt einer – für Kunden und Behörden gleichermaßen.

Im Rechnungsausgang entfällt die Kanalpflege. Heute liegen die Versandwege oft als Sonderlogik im System oder als Wissen in Köpfen: Kunde A will PDF per Mail, Kunde B einen Portal-Upload, die Behörde die OZG-RE. Über Peppol ist es ein Weg, adressiert über ein Stammdatenfeld. Und Sie haben einen belastbaren Zustellnachweis statt der Rückfrage „ist die Rechnung angekommen?".


Im Rechnungseingang liegt der größere Hebel. Was ankommt, ist strukturiertes XML: Lieferant, Betrag, Steuersätze, Zahlungsbedingungen, Bestellreferenz stehen an definierter Stelle. Damit wird die Zuordnung zu Bestellung oder Projekt, die Prüfung gegen die Bestellung und die Vorkontierung automatisierbar – ohne OCR und ohne Nacharbeit. Vorausgesetzt, das ERP nimmt die Daten auch als Daten an und legt sie nicht bloß als Anhang ab.



Der Zeitplan – und was bis dahin stehen muss


Zeitleiste mit drei Terminen: seit 1.1.2025 muss jedes Unternehmen E-Rechnungen empfangen können, ab 1.1.2027 gilt die Ausstellungspflicht ab 800.000 Euro Vorjahresumsatz, ab 1.1.2028 für alle Unternehmen. Eine Markierung zeigt die heutige Position zwischen 2025 und 2027.

Die Termine der E-Rechnungspflicht in Deutschland.

  • Seit 1. Januar 2025 muss jedes inländische Unternehmen E-Rechnungen empfangen und aufbewahren können – Kleinunternehmer eingeschlossen.

  • Ab 1. Januar 2027 gilt die Ausstellungspflicht für Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz.

  • Ab 1. Januar 2028 für alle inländischen Unternehmen im B2B-Geschäft.

Ausgenommen bleiben Kleinbeträge bis 250 €, Fahrausweise und B2C-Rechnungen. Ab 2030 kommen mit dem EU-Paket ViDA Meldepflichten für grenzüberschreitende Umsätze hinzu.


Wichtig ist der Punkt, der in Projekten regelmäßig hinten runterfällt: Aufbewahrungspflichtig ist das strukturierte Original. Ein PDF-Ausdruck der Rechnung genügt nicht – die XML-Datei selbst muss unveränderbar und maschinell auswertbar archiviert werden, seit 2025 acht Jahre lang. Wer den Versand löst, aber das Archiv nicht, hat die Pflicht nur halb erfüllt.


Und noch ein Hinweis zur Reihenfolge: In Deutschland ist nicht Peppol vorgeschrieben, sondern die E-Rechnung. Peppol ist der Weg mit der größten Reichweite – bei internationalen Kunden und im öffentlichen Sektor praktisch der Standardweg –, aber E-Mail-Zustellung bleibt daneben zulässig. Ein ERP sollte beides können.



Biquanda - Das ERP-System für Dienstleister

Checkliste: Was das ERP dafür können muss


  • Formate erzeugen und lesen: Peppol BIS Billing 3.0 und XRechnung in aktueller Version, ZUGFeRD zumindest im Eingang.

  • Validierung vor dem Versand, gegen die geltenden Prüfregeln – nicht erst der Zugangspunkt sollte Fehler finden.

  • Peppol-ID und Leitweg-ID im Kundenstamm, inklusive Schema-Kennzeichen, plus Prüfung, ob der Empfänger im Netzwerk erreichbar ist.

  • Statusverfolgung im Belegfluss: technische Quittung und fachliche Rückmeldung sichtbar am Beleg, nicht nur im Provider-Portal.

  • Rechnungseingang als Datensatz: automatische Zuordnung zu Auftrag oder Projekt, Prüfworkflow, Vorkontierung.

  • Revisionssichere Archivierung des XML-Originals mit Protokollierung und Zugriff für die Betriebsprüfung.

  • Parallele Kanäle für Kunden, die noch nicht über Peppol erreichbar sind.

  • Mandanten- und Auslandsfähigkeit, wenn Sie mehrere Gesellschaften oder EU-Kunden abrechnen.


Zur Anbindung selbst gibt es zwei Wege. Entweder ist der Zugangspunkt im ERP eingebaut bzw. als Dienst beigestellt – dann bleibt Verantwortung an einer Stelle und Zertifizierungen und Formatversionen sind nicht Ihr Thema. Oder Sie nutzen einen eigenen Provider und binden ihn per Schnittstelle an – flexibler, wenn mehrere Systeme daran hängen, aber mit einer Schnittstelle mehr im Betrieb.



Kurz gesagt


  • Peppol ist Transport plus Regelwerk – die Formate (EN 16931, Peppol BIS, XRechnung) liegen darüber.

  • Der Versand ist der einfache Teil. Der Nutzen entsteht im Eingang, in den Stammdaten und im Archiv.

  • Entscheidend ist nicht, ob ein ERP „E-Rechnung kann", sondern wie tief die E-Rechnung im Belegfluss verankert ist

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